„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Grundgesetz. Und auf den ersten Seiten der Bibel lese ich: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild.“ Menschenwürde ist göttlich! Und Jesus lebt die universale Nächstenliebe. Ohne Grenzen.
Deshalb ist die Demokratie von allen Staatsformen die beste. Sie garantiert die gleiche Würde für alle, sie garantiert Freiheit und Vielfalt. Jede und jeder kann sich frei entfalten, sofern er niemand anderem schadet. Eine solche Freiheit jedoch braucht Verantwortung. Und ein waches Gewissen.
Selbstkritisch gebe ich zu: Meine Kirche ist keine Demokratie. Leider! Sie ist eine Monarchie, die im Feudalismus steckengeblieben ist. Als Christ und als Bürger jedoch mache ich mich stark für Freiheit und Demokratie. Beides stünde auch meiner Kirche gut an. Wir arbeiten dran.
Heute gibt es viele Tendenzen, die unserer Demokratie Schaden zufügen. Sie haben allesamt auch mit uns zu tun – wie wir denken und wie wir leben:
- Da ist der Individualismus. Fast jeder steckt in seiner eigenen Meinungsblase fest. Die Debatte ist futsch, das Interesse am Ganzen geht verloren. Desinteresse jedoch führt zum Erstarken von Diktatoren, Oligarchen und Faschisten. Individualismus macht selbstbezogen. Das Gegenteil von Liebe ist: Gleichgültigkeit.
- Da ist der Rückzug ins Private. Wer kennt noch seine Nachbarschaft, einen Verein, eine Initiative, eine Glaubensgemeinschaft? Dieser Rückzug ins Private bereitet Psychopathen und Narzissten den Weg an die Macht. Wir haben eine apathische Gesellschaft. Man zieht sich zurück. Man wird gleichgültig. Darum ist es gut, dass Sie alle heute hier sind, um dem etwas entgegenzustellen.
- Da ist die Geschichtsvergessenheit. Sie birgt die Gefahr, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wofür Generationen gekämpft und gelitten haben, das wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Freiheit braucht Verantwortung. Niemand kann sich deshalb erlauben, nicht zur Wahl zu gehen. Das Gegenteil von Liebe ist: Gleichgültigkeit.
- Da ist die Dummheit. Allzu einfache Antworten auf komplexe Fragen. Populisten haben keine Lösungen. Keine einzige vernünftige Antwort! Stattdessen bieten sie Feindbilder. Sonst nichts! Sie möchten, dass wir ihre Feinde zu unseren machen. Es sind jedoch immer die Anständigen, die das Gute in der Welt bewirken.
- Da ist schließlich die Angst. Sie führt zu Abgrenzung und Egoismus. Längst haben wir einen Krieg um Ressourcen, letzten Endes ausgelöst durch den Klimawandel. Wen wundert’s, dass gerade der Klimawandel von den antidemokratischen Kräften geleugnet wird. Es ist immer einfacher, die Schuld auf andere zu schieben, statt sich selbst zu ändern.
Individualismus – Geschichtsvergessenheit – Angst.
Deshalb brauchen wir das Miteinander der guten Kräfte, den Schulterschluss der menschlichen Menschen. Über alle Partei- und Religionsgrenzen hinweg. Die guten Kräfte bündeln. Sich nicht heraushalten. Verantwortung übernehmen. Die Menschenwürde ist universal, sie gilt um Gottes willen. Und das Gegenteil von Liebe ist: Gleichgültigkeit.
(Rede bei der Menschenkette des Bündnisses "Ahaus bleibt bunt" am 8. Februar 2025)