Freitag, 17. April 2020

Kleine Gebetsschule XXXII: Schaffe Schweigen!

Schweigen ist sicherlich die Hochform des Betens. Der Beter lässt sich anschauen von Gott. Er wird ganz und gar leer – aber nicht im esoterischen Sinn eines Leerwerdens für irgendeine Energie, sondern im Sinne einer Orientierung auf das Geheimnis Gottes hin, im Sinne einer Offenheit für Ihn.

Sören Kierkegaard schreibt: „Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern Hören.
So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören, beten heißt, still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“ Und er fordert dazu auf, „Schweigen zu schaffen“.

Dieser Erfahrung kann ich zustimmen. Die Erfahrung des gefüllten, orientierenden Schweigens vor Gott ist jedoch zumeist eine Erfahrung nach allen gesprochenen Worten; es ist gut, zunächst die Gebete der Bibel und der Glaubenstradition nachzusprechen, mitzusprechen, damit auch das Schweigen das „Du“ Gottes nicht aus dem Blick verliert. Eine wichtige Anregung zum Schweigen finde ich in der Geschichte des Propheten Elija.

„Elija stand auf, aß und trank und wanderte ... vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 
Der Herr antwortete: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle“ (1 Könige 19).

Dazu eine kleine Betrachtung:
         
Elija kann nicht mehr.
Leidenschaftlich hat er sich eingesetzt für seinen Gott.
Mit prophetischer Kraft hat er sich stark gemacht – 
für den starken Gott Israels.

Und nun?
Alles scheint vergeblich.
Elija ist auf der Flucht.
Man trachtet ihm nach dem Leben,
und deshalb wünscht er sich den Tod.

Gott aber lässt ihn nicht allein.
Gestärkt mit Brot und Wasser,
wie durch Engelhand geführt,
wandert er zum Gottesberg Horeb –
dem Berg des Bundes,
dem Berg der Freiheit Seines Volkes.

Hier, an diesem heiligen Ort, 
lässt Gott sich erfahren:
nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer.
Dieser Gott schockiert nicht mit Naturgewalten.

Elija spürt genau – Gottes stillschweigende Wesenheit!
Von Sturm, Erdbeben und Feuer bleibt er sichtlich unberührt. 
Erst ein sanftes, leises Säuseln lässt ihn hörbar erahnen, wer da auf ihn zuschweigt.
Nicht ein Wettergott ist Jahwe,
nicht eine Macht der niederreißenden Gewalt
sondern ein stiller, sanfter Gott der meditativen Zärtlichkeit.

Ein sanftes, leises Säuseln – unerhört!
Martin Buber, der jüdische Religionsphilosoph, 
nennt es eine „Stimme verschwebenden Schweigens“. 
Im „verschwebenden Schweigen“ singt Gott von Seiner Berührbarkeit und Nähe. 
„Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, 
trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.“
In diesem mystischen Element völliger Leere 
sterben alle vertrauten Gottesbilder von Allmacht und Gewalt. 
Gerade die Stille, das schweigende Nichts 
wird zum schauerlich-ergreifenden Moment von Gottes Gegenwart.

Gotteserfahrung ist mitschwingendes Anteilnehmen, 
Resonanz des Ewigen, 
Klang aus der Wesensmitte des Seins, 
schweigendes Tönen nach dem Getöse dieser Welt.

Das Schweigen Gottes in der Berührbarkeit Seines Propheten Elija – 
das ist eine Grundhaltung des Glaubens:
-       in die Stille kann ich mich versenken,
in die Arbeit nur vergraben.
-       in die Ruhe kann ich eintauchen,
in der Hektik nur untergehen.

Stille ist eine Bewegung nach innen: sie sammelt.
Lärm ist eine Ablenkung nach außen: er zerstreut.

Jeder Klang will zur Stille reifen:
-       In vielen Musikstücken sind es gerade die Pausen, in denen sich die innere Dramatik der Musik bis zum Äußersten steigert: Die Stille ist die Spannung in der Musik!
-       Und der Rhythmus – er besteht aus jenen pulsierenden Impulsen, die den Raum der Stille schöpferisch gestalten: Die Stille ist der Raum des Rhythmus‘!
-       Rhythmus entsteht aus den Pausen zwischen den Impulsen. Kreativität entsteht in den Pausen zwischen dem Schaffen. Die Stille ist der Raum der Schöpfung!

Die Stille ist sanft. Sie weckt Empfindungen. 
Sie umschwebt uns schweigend: 
nicht ohrenbetäubend wie der Lärm, 
sondern herzergreifend wie die Liebe.

Nicht im Aufsehen erregenden Tun offenbart sich Gott,
sondern im hörbaren Sein.

Wenn mir einmal Hören und Sehen vergeht, 
dann tauche ich ein in Gott, der unerhört auf mich zuschweigt.
Ich werde ruhig in der Gnade des Schweigens.
Ich höre von Herzen die Stimme der Stille.


Bis morgen!
Stefan Jürgens

Donnerstag, 16. April 2020

Kleine Gebetsschule XXXI: Herzensgebet - durchatmen mit Jesus

Eine ganz eigenwillige, einfache und doch sehr intensive Gebetsform stammt aus der Ostkirche: das Jesusgebet. Die „Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ berichten, wie jemand dieses Gebet lernt. Es besteht darin, mündlich oder im Innern unaufhörlich ein kurzes Gebet zu wiederholen: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ Das Wort Jesus, verstanden als heiliger Name, steht hier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bringt man das Gebet in Einklang mit dem Rhythmus des Atems, so löst sich das Bewusstsein allmählich von dem, was die Stille und das Schweigen des Herzens stören kann, und sammelt sich auf Anbetung hin: beim Einatmen spricht man „Herr Jesus Christus“, so als wolle man den Geist des Herrn in sich einlassen, beim Ausatmen spricht man „erbarme dich meiner“, so als könne das Erbarmen des Herrn unmittelbar Gelassenheit und Leichtigkeit schaffen. Wichtig ist, alle Gedanken, Gefühle und Wünsche auf den Namen Jesus hin zu konzentrieren.

Eine Hilfe bei der Sammlung und Konzentration auf den Namen Jesus können ein abgedunkelter und geräuschloser Raum sein, eine Gebetsschnur zur Einhaltung des Rhythmus’; eine ruhige, gelassene Körperhaltung, die geistige Präsenz und Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes zum Ausdruck bringt, wie z.B. das Sitzen auf einem Gebetshocker. Neben der Verbindung des Gebetswortes mit dem Ein- und Ausatmen gibt es auch eine Verbindung mit dem Rhythmus des Herzschlages, oder man legt bei der Anrufung des heiligen Namens die rechte Hand auf das Herz.

Bei der Fülle von Gedanken, Bildern und Vorstellungen, die durch den Kopf rasen und die Konzentration mindern, ist es hilfreich, diese einfach „kommen zu lassen“, anstatt sie durch Willensanstrengung zu bekämpfen. Man lässt die vielen Gedanken zunächst kommen, um sie in Ruhe weiterziehen zu lassen; schließlich ist die Aufmerksamkeit beim Herrn, ohne sich besonders anzustrengen. Ich selbst stelle mir meine vielen Gedanken, die mich ablenken wollen, häufiger als Wolken vor: kleine weiße oder hohe dunkle Gewitterwolken, je nachdem. Aber ich lasse sie in Ruhe weiterziehen, „weil ich sie jetzt nicht brauche“, bis der Himmel vor meinem inneren Auge frei und blau ist. Schließlich ist mein Herz frei und leer für das Jesusgebet, die Ausrichtung auf den Herrn. Ich komme dann ohne Bilder aus, bete regelmäßig, ruhig und rhythmisch, frei von Phantasie und Einbildung. Ich bin da vor Ihm, das genügt. Schließlich wird aus dem noch mündlich gesprochenen Gebet ein geistiges, nur noch im Innern vollzogenes. 

Wenn die Anrufung des heiligen Namens vom Geist ins Herz hinabgestiegen ist, spricht man vom Herzensgebet: nicht mehr ich spreche zu Ihm – das ist das „angestrengte“ Gebet, sondern Er spricht in der Mitte meines Herzens zu mir – das ist das „selbsttätige“ Gebet, das „immerwährende“ Gebet, das nur ganz selten gelingt. Es ist eine Gnade, so zu beten, und nicht das Ergebnis einer bestimmten Technik. Wer ruhig werden möchte, der versuche es deshalb mit dem gesprochenen Jesusgebet, vielleicht mit dem Rhythmus des Ein- und Ausatmens. 

Die Ruhe, die das Gebet schenkt, ist schon eine besondere Erfahrung, ein großes Geschenk.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Mittwoch, 15. April 2020

Kleine Gebetsschule XXX: Das Vaterunser - wie es besser nicht geht

Das Vaterunser ist das Gebet der ganzen Christenheit. Jesus hat es Seine Jünger gelehrt, als sie Ihn darum baten: „Herr, lehre uns beten“ (Lukas 11,1). Ich selbst habe dieses Gebet nicht aus der Bibel gelernt, sondern meinen Eltern von den Lippen abgelesen. Zuerst habe ich nur die Laute imitiert. Ich durfte spüren: Das ist etwas Wichtiges, Heiliges. Irgendwann konnte ich es auch mit dem Herzen beten. Aber zuerst konnte es mein Mund. 

Meine Glaubenssprache ist also auf mich zugekommen, ich musste meinen Glauben und das Gebet nicht erst erfinden. Ich stelle mich mit dem Vaterunser und mit vielen anderen Gebeten in eine Erfahrung hinein, die immer größer ist als mein eigener kleiner Glaube. Ich bekomme Anteil an den Glaubenserfahrungen der Generationen vor mir, ja der ganzen Kirche.

Das Vaterunser habe ich schon viele tausend Mal gebetet. Und doch entdecke ich darin immer wieder etwas Neues. 

„Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name“: Wenn Gott Vater ist, dann bin ich Sein Kind, dann sind wir untereinander Geschwister. Wenn ich um diese Menschenwürde weiß und danach lebe, dann wird Sein Name geheiligt, dann wird dieser Name „Unser Vater“ für Menschen erst glaubwürdig und überzeugend. „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“: Wenn Sein Wille geschieht – wenn ich so lebe, dass es Seiner Absicht entspricht – dann kommt Sein Reich, heute und hier. „Unser tägliches Brot gib uns heute“: Ich darf um alles bitten, was jeder jeden Tag braucht, so nötig wie das tägliche Brot. Aber zum Lückenbüßer, zum Erfüllungsgehilfen meiner persönlichen Wünsche darf ich Ihn nicht machen. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“: Gott vergibt immer zuerst, ohne Bedingung und Vorleistung. Aber ich kann Seine Vergebung nur dann glaubhaft erfahren, wenn ich selber Vergebung zu schenken bereit bin. Wer immer nur kleinkariert jeden Fehler der anderen nachhält, wer niemals großzügig ist, der kann auch nicht an einen großzügigen Gott glauben.

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Mit dieser Vaterunser-Bitte bin ich lange nicht klargekommen: Kann denn Gott in Versuchung führen? Nein, das wird Er nicht tun. Aber ein Gebet spricht ja immer aus der Sicht des Menschen, nicht aus der Sicht Gottes. Tatsächlich, es gibt ja eine Versuchung für die Frommen, eine doppelte Versuchung für die Glaubenden: Fanatismus und Fatalismus.

Dem Fanatismus begegne ich häufig in den Nachrichten, wenn ich von religiösem Terrorismus höre. Da sind Menschen, die meinen alles genau zu wissen; sie identifizieren sich so sehr mit dem, den sie für ihren Gott halten, dass sie sich ganz auf Seiner Seite glauben – auch dann noch, wenn sie über Leichen gehen. Weil sie ja genau wissen, wer Gott ist und was Er will, meinen sie, Gott wolle genau das, was sie selbst für richtig halten. Letzten Endes machen sie sich damit selbst zu Gott, und das ist die Ur-Versuchung, die Ur-Sünde. Solche Fanatiker gibt es in allen Religionen – hartherzige Besserwisser, religiöse Terroristen mit oder ohne Waffen.

Die andere Seite der frommen Versuchung heißt Fatalismus – und der ist hierzulande viel öfter anzutreffen und für uns auch viel gefährlicher. Der Fatalist denkt, er könne ja doch nichts machen; er wäscht seine Hände in Unschuld und überlässt Gott die Welt, Ihm ganz allein. Er denkt: „Wenn Gott die Welt anders haben wollte, dann hätte Er sie bestimmt anders gemacht.“ Oder: „Wenn Er sie anders will, dann soll Er sie doch selber ändern.“ Verborgene Fatalisten gibt es unter den Christen reichlich. Sie reden fromm, aber eigentlich sind sie viel zu faul, sich die Hände schmutzig zu machen und wirklich etwas zu tun. Am wenigsten ändern sie sich selbst. Sie spüren nicht, dass die Gegenwart immer der Zeitpunkt ist, Gottes Namen zu heiligen, Sein Reich Wirklichkeit werden zu lassen, nach Seinem Willen zu fragen, miteinander das Brot zu teilen und einander zu vergeben. Verborgener Fatalismus tritt häufig als Gleichgültigkeit auf, die sich in frommes Gerede hüllt, ein Hoch auf Religion und Tradition anstimmt, aber tiefgreifend nichts verändert. Vor solchen Versuchungen bewahre uns Gott!

Am Schluss gibt mir das Vaterunser dann doch viel Gelassenheit. Denn nur Gott wird uns letzten Endes vom Bösen befreien: „sondern erlöse uns von dem Bösen“. Ich kann viel dafür tun, dass Sein Reich kommt. Aber aufrichten muss Er es selbst. Mein Leben bleibt zeitlebens unvollendet, ich bekomme es einfach nicht fertig; von mir aus wird es niemals so gut werden, dass Er etwas damit anfangen kann. Da gibt es viel gerade zu rücken, zurecht zu richten, zu ergänzen. Aber ich bin mir sicher: Gott wird es vollenden. Er wird das Böse ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Dafür steht der Name Jesus Christus, mit dem Sein Reich schon angebrochen ist: Es ist „schon“ da, aber „noch nicht vollendet“. Wie Gottes Reich einmal aussehen wird, das liegt vor allem an Ihm – aber auch an mir!

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Dienstag, 14. April 2020

Kleine Gebetsschule XXIX: Anbetung - sich aussetzen

Unter Anbetung verstehen die katholischen Christen das Verweilen vor der heiligen Eucharistie, dem ausgestellten, „ausgesetzten“ Brot des Abendmahls. Bei den Mitgliedern der anderen Konfessionen und Freikirchen steht Anbetung aber auch für den Lobpreis Gottes, für das betende und singende Staunen über Seine Größe und Liebe. Beide Richtungen kommen darin überein, dass es nur Einen gibt, den wir anbeten können: Gott selbst. Christen gehen vor niemandem in die Knie, nur vor dem lebendigen Gott und vor Seinem Sohn Jesus Christus.

Wie kam es zur Anbetung der heiligen Eucharistie, der bleibenden Gegenwart Jesu Christi im Brot des Abendmahls, oder, wie man bisweilen noch hören kann, im „allerheiligsten Altarssakrament“? Bis zum 13. Jahrhundert war eine eigenartige Eucharistie- und damit auch Kommunionfrömmigkeit entstanden. Aus übergroßer Sündenangst und der Vorstellung der eigenen Unwürdigkeit ging der Kommunionempfang drastisch zurück. An seine Stelle trat die so genannte Augenkommunion, das andächtige Anschauen der Hostie – verbunden mit vielen magischen Missverständnissen und Angst machenden Vorstellungen. Als die Andacht vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in der Volksfrömmigkeit schließlich wichtiger wurde als die Messfeier selbst, musste die Kirche die jährliche Kommunion (in der Osterzeit) regelrecht anordnen. Das Entstehen des Fronleichnamsfestes (fron = Herr, lichnam = Leib) am Donnerstag nach der ehemaligen Pfingstoktav, dem heutigen Dreifaltigkeitssonntag (Trinitatis), als Feier des Gründonnerstags außerhalb der Karwoche, war der Höhepunkt dieser Entwicklung.

In der Auseinandersetzung mit der Reformation schließlich wurde das Fronleichnamsfest mit seiner eucharistischen Schaufrömmigkeit zu einer Demonstration des katholischen Glaubens schlechthin. Die Reformatoren wandten sich – schriftgemäß zu Recht! – gegen die Anbetung und traten für die Teilnahme am Abendmahl ein. Die Angst, unwürdig zu sein, sorgte dann aber in der evangelischen Kirche dafür, dass das Abendmahl kaum noch gefeiert wurde; zumindest der Pfarrer hätte ja kommunizieren müssen. Katholische und evangelische Christen waren sich also in ihrer „frommen Abneigung“ gegen den Kommunion- bzw. Abendmahlsempfang einig. Die Fronleichnamsprozession der Katholiken mit ihren barocken folkloristischen Ausgestaltungen geriet daher immer mehr zum unterscheidenden Konfessionsmerkmal: Die Katholiken schauten an, statt zu kommunizieren, und die Protestanten ließen das Feiern ganz, weil sie nicht nur schauen wollten.

Die Anbetung hat also eine schwierige Geschichte und wird noch heute von manchen katholischen Splittergruppen mehr magisch als mystisch missbraucht. Tatsächlich schlummert in einer eher statischen als dynamischen, also mehr auf das Anschauen als auf das Feiern gerichteten Frömmigkeit die Versuchung, dass man Gott dingfest machen möchte, seiner habhaft werden und Ihn für seine eigenen Zwecke missbrauchen will. Das „Goldene Kalb“ des Alten Testaments (vgl. Exodus 32-34) ist ja kein Götze, sondern ein falsch verstandener Gott, den man anfassen, anschauen, anbeten können will; dem man Opfer bringt, um Ihn zu gebrauchen; ein Gottesbild also, das durch die Funktionalisierung der Religion zum Götzenbild wird. Nachdem dieses Goldene Kalb durch Mose vernichtet ist, wird das Offenbarungszelt Jahwes außerhalb des Lagers aufgestellt; man muss sich wieder zu Ihm aufmachen, Er ist nicht dingfest zu machen; Gott ist nicht so einfach zu haben!
Gott „haben“ wollen, für sich allein – das ist die Versuchung der eucharistischen Anbetung. 

Hinzu kommt die Tradition der Goldenen Monstranz, die jenes Ursymbol des Glaubens verdunkelt, um das es eigentlich geht: das Brot. Mein Brot teile ich mit jedem, der bei mir zu Gast ist, mein Gold – wenn ich welches hätte – nicht unbedingt. Die goldene Monstranz, eigentlich zur größeren Ehre Gottes geschaffen, ein Zeigegefäß für das eucharistische Brot, stellt längst das Geheimnis in den Schatten, um das es geht: „Das Gold frisst das Brot!“

Wie also anbeten, eucharistisch? In unserem Exerzitienhaus stellen wir das Brot der Eucharistie in einer einfachen Schale auf den Altar. Wir werden still – unser Schweigen erfährt seine Orientierung auf Jesus Christus hin. Wir bleiben uns bewusst: Der Höhepunkt aller eucharistischen Frömmigkeit bleibt die Eucharistiefeier, die heilige Messe, in der wir Jesus Christus in Brot und Wein empfangen, kommunizieren mit Ihm und untereinander. Wir setzen keine goldene Monstranz aus, sondern wir setzen uns selbst aus: Seinem liebenden Blick, Seiner Gegenwart unter uns. Wir wollen Ihn nicht „haben“, sondern vor Ihm verweilen, mit Ihm leben. Und wir sprechen es aus – in ganz einfachen Worten und Gesängen. Es tut gut, vor diesem Geheimnis zu verstummen, nicht mehr weiter zu wissen. Er schaut uns an, wir schauen Ihn an – das genügt uns.

Und am Fronleichnamsfest? Eine Prozession mit dem Evangeliar macht uns deutlich, dass Christus gegenwärtig ist und selbst zu uns spricht, wenn Sein Wort verkündet wird. Nach dem Hochgebet folgt eine Prozession mit dem eucharistischen Brot und Wein, mit Schale und Kelch. Höhepunkt bleibt der Empfang der Kommunion, der sich an die Prozession anschließt. Jetzt tragen wir Ihn in uns, jetzt will Er durch uns handeln – nach dem Wort des heiligen Augustinus: „Empfangt, was ihr seid: Leib Christi, damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“

Für dieses Sich-Aussetzen vor Gott muss man nicht katholisch sein: Wer Ihn – und nur Ihn! – anbetet, der setzt sich Seinem Anspruch aus, Seinem Blick, Seiner Liebe.

ANBETUNG

Anbetung ist Dasein vor Gott – ohne Nebenabsichten,
Ausdruck dafür, dass Er die Mitte des Lebens ist.
So hat auch Jesus für seinen Vater gelebt.

Anbetung ist Verweilen in der Nähe des Herrn.
Beten heißt dann, liebend auf Jesus schauen,
in seinem Wort, in den Zeichen von Brot und Wein.

Anbeten heißt auch, sich bekehren,
alle Widerstände gegen Gott hochkommen lassen,
sich von Ihm lieben lassen, sich Ihm neu zuwenden.

Anbeten heißt, sich Ihm aussetzen,
mit allen Zweifeln, aller Leere, Unruhe und Dunkelheit,
Leben unter dem Blick Seiner Güte.

Anbeten heißt, sich von Ihm befreien lassen
aus aller Härte, Enge und Angst
zur Freude daran, dass Er Gott ist, Er allein.


Bis morgen!
Stefan Jürgens

Montag, 13. April 2020

Kleine Gebetsschule XXVIII: Mir zu eigen gemacht

Es gibt formulierte Gebete, die sprechen mich sofort an. Mit einigen dieser Texte gehe ich schon seit Jahren durchs Leben. Es sind biblische Gebete, die ich auswendig kann; Texte von John Henry Newman, Dietrich Bonhoeffer, Huub Oosterhuis, Karl Rahner, Jörg Zink, Johannes Hansen und Hermann-Josef Coenen; Choräle aus den Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach, den Oratorien Händels und Mendelssohn-Bartholdys, Lieder von Manfred Siebald und anderen.

Diese Texte hängen als Poster an den Wänden meiner Wohnung, drängen sich in Zettelkästen und Büchern, füllen Hängeregistraturen und Kladden. Vor allem aber habe ich sie zur Hand, wenn ich sie brauche; sie fallen ohne besondere Anstrengung ins Leben ein und bilden mein ganz persönliches Gebetbuch. Ich brauche sie weit mehr als alle die vielen Bücher, die sich in meiner Wohnung um mich drängen. Das, woraus ich lebe, ist ganz einfach und ganz wenig; eine eiserne Ration für alle Tage. Die tägliche Schriftbetrachtung beginne ich zum Beispiel immer mit demselben Gebet von John Henry Newman.

Es lohnt sich, mit den Texten, die zu sprechen begonnen haben, sorgfältig umzugehen, sie zu sammeln, abzuschreiben, zu sortieren, auswendig zu lernen. Mit einem Text verbindet sich in der Erinnerung häufig eine tiefe Glaubenserfahrung. Sollte ich jemals in eine Situation kommen, wo mir alles genommen wird, dann gibt es eine große Anzahl an Gebetsworten, die mich tragen werden. Und viele Erinnerungen, die ihre geistliche Kraft entfalten.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Sonntag, 12. April 2020

Kleine Gebetsschule XXVII: Rosenkranz

Gebetsmethoden, die auf Wiederholung angelegt sind – für die einen langweilig und abgedroschen, ein monotones Geleier; für die anderen ganz neu entdeckt und voller meditativer Faszination. Rosenkranzbeten geht ohne besondere Konzentration und daher auch schon mal nebenbei – beim Autofahren und auf dem Fahrrad, beim Wandern und Schwimmen. Und wenn einem alle Worte fehlen, wenn man nicht mehr weiterweiß, dann flüchtet sich das Herz in diese alten Wiederholungen; statt dem Zwang zur Kreativität zu erliegen, klammert sich der kleine Glaube an immer gleiche große Worte und stellt sich demütig in sie hinein.

Die Gebetsschnur ist eine moslemische Erfindung zum Abzählen der neunundneunzig Namen Allahs; sie hat 33 Perlen, wird also dreimal „durchgebetet“. Im Mittelalter kam diese Gebetstechnik nach Europa und erhielt im Christentum eine neue Bedeutung als „Laienpsalter“. Auch im Buddhismus und Hinduismus werden heilige Worte, so genannte Mantras, durch das Drehen von Gebetsmühlen unablässig wiederholt; die Perlen der buddhistischen Mala sind eine Meditationshilfe für kraftvolle Silben, Wörter und Namen. 

Wiederholung bedeutet im Wortsinn: etwas zurückholen, er-innern, wieder und wieder hineinholen in die Gegenwart. Wiederholung – in der geistlichen Tradition auch „ruminatio“, Wiederkäuen genannt – bedeutet Versenkung in Gottes Gegenwart, Hinwendung des Herzens, Betrachtung des Wesentlichen, aber auch eine Art von Trance, um Zeit und Raum aufzubrechen auf das Geheimnis Gottes hin. Viele Rosenkranzbeter sind mit kindlichem Gemüt und kindlichem Vertrauen gesegnet; sie werden zum Segen, wenn sie ihre Gebetsform nicht zum Dogma erheben.

Die gebildeten Mönche des Mittelalters beteten jeden Tag den ganzen Psalter: hundertfünfzig Psalmen. Die einfachen Laienbrüder und das gläubige Volk jedoch konnten nicht lesen. Statt der Psalmen beteten sie hundertfünfzig Vaterunser, das konnten sie auswendig. Später, als die Marienfrömmigkeit aufzublühen begann, ersetzte man die vielen Vaterunser durch ebenso viele Ave Maria, teilte das Ganze in freudenreiche, schmerzhafte und glorreiche Geheimnisse ein und zählte die Gebete mit der aus dem Islam übernommenen Gebetsschnur ab: drei Geheimnisse mal fünf Gesätze (ein Gesätz = ein Satz Perlen) mal zehn Ave Maria gleich hundertfünfzig Gebete, umrahmt durch Vaterunser und Ehre sei dem Vater (übrigens eine Rechnung wie im Islam: dreimal dreiunddreißig gleich neunundneunzig). Der Rosenkranz war ein Psalter für Unbelesene, er ist das Gebet der einfachen Leute!

Ein Zugang zum Rosenkranzgebet liegt in der meditativen Wiederholung. Wesentliches kann man immer wieder sagen, Wichtiges wird niemals langweilig, das Herz liebt die Wiederholung als immer neue Erinnerung. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das gesprochene Wort, sondern der Sinn, das Thema der Meditation. Das gesprochene Wort ist ein Klangteppich, eine geistliche Zeiteinteilung für das eigentliche Gebetsgeschehen. Während die Lippen sich irgendwann von selbst bewegen, meditiert der Geist über das Leben Jesu, und zwar aus der Sicht seiner Mutter Maria. Das ist keine schlechte Art, das Leben des Erlösers zu bedenken, hat ihn seine Mutter doch zeitlebens begleitet. Man geht mit Maria den Weg Jesu – von der Verkündigung seiner Geburt über die Passionsgeschichte bis zur Auferstehung und Geistsendung, ja noch weiter: bis zur Vollendung Marias selbst durch ihren Sohn bei Gott.

Neben diesem klassischen Rosenkranzgebet gibt es Neuschöpfungen, zum Beispiel den Christus-Rosenkranz, bei dem das Ave Maria durch ein Christusgebet ersetzt wird. Diese Form hat sich bei Wallfahrten und in der Ökumene besonders bewährt. Man kann auch eigene Gesätze erfinden – biblische, aktuelle, auf die betende Gemeinschaft bezogene. Vorsicht ist da geboten, wo die Gebetsschnur selbst, der Rosenkranz als Perlenkette, zum Talisman verkommt, wie man es bei Fußballstars und Popsängern, aber auch an Autorückspiegeln sehen kann. Die Anhänger einer bestimmten reaktionären katholischen Subkultur bedienen sich des Rosenkranzes mehr als Waffe denn als Gebetseinteilungsgerät. Er ist nichts als eine Zählmaschine, ein Zeitmesser für die Meditation. Eine solche Zeiteinteilung ist wichtig für jede Meditation, denn wenn man nicht weiß, wann sie aufhört, hat man nicht die innere Ruhe, überhaupt damit zu beginnen. Jedes Gebet braucht Anfang und Ende, Rhythmus und Struktur, denn nur gegliederte Zeiten sind erträgliche Zeiten.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Samstag, 11. April 2020

Kleine Gebetsschule XXVI: Fürbitten - Solidarität und Sympathie

„Ich denke an Sie“, so verabschiede ich mich manchmal von kranken oder alten Menschen. Ich meine damit: „Ich bete für Sie“ – doch das klingt mir manchmal zu aufgesetzt. Trotzdem versteht es jeder. Das Gebet füreinander ist ein wunderbares Zeichen der Verbundenheit. In den Fürbitten bringe ich die Welt vor Gott. Und das nicht, um Ihn an etwas zu erinnern, was Er nicht schon wüsste, sondern in Solidarität mit allen Menschen, besonders mit den Leidenden.

Es gibt Menschen, die sagen es, andere, die hoffen es, wieder andere, die brauchen es: Dass ich für sie hingehe zu Gott, da sein muss bei Ihm für manchen, der nicht zu Ihm kommen kann, der nicht mehr beten kann, der längst stumm geworden ist oder seinen Glauben verloren hat. Man kann das Stellvertretung nennen – ich nenne es lieber Solidarität vor Gott, eine Solidarität im Schweigen, Erdulden und Leiden, im Warten, im Beten und Sprechen.

Fürbitten gibt es im Gottesdienst der Christen, „Gebet der Gläubigen“ oder auch „Allgemeines Gebet“ genannt. Sie sind „Bitten für …“, also nicht für einen selbst, sondern für andere. Man darf sie niemals appellativ missbrauchen, um die Gemeinde zu belehren. Beten soll Ausdruck freien und befreienden Glaubens sein, der zur Tat motiviert, sie aber nicht vorschreibt. In Gebet und Glauben geht es um Haltung, nicht bloß um Verhalten. Man soll auch Gott nichts vorschreiben, sondern die Anliegen und Menschen einfach vor Ihn bringen, ohne genau zu sagen, was Er damit tun soll. Es genügt, darauf zu vertrauen, dass Er zuhört und sich für uns interessiert. 

Fürbitten im Gottesdienst haben eine bestimmte Reihenfolge: vom Großen zum Kleinen, vom Globalen zum Persönlichen, vom Allgemeinen zum Besonderen. Die klassische Reihenfolge ist dann das Gebet für die Kirche, für die Verantwortlichen in der Welt, für Menschen in Not, für die Gemeinde, für die Verstorbenen. Sie richten sich an Gottvater oder Jesus Christus. Freie Fürbitten, gesprochen von der feiernden Gemeinde, sind besonders aktuell und glaubhaft; man kann auch eine Struktur vorgeben und dann jeweils Zeit lassen für persönliche Anliegen, laut oder leise gesprochen, zum Beispiel so:

Für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften in aller Welt: Um lebendigen Glauben und verantwortliches Handeln in dieser Zeit (...) Für die Gemeinschaft der Menschen: Für ein friedvolles Zusammenleben der Völker; für alle, deren Verantwortung entscheidend ist für Frieden und Freiheit (...) Für alle Menschen in Not, Krankheit und Verzweiflung, und auch für alle, die ihnen beistehen (...) Für die Menschen in unserer Umgebung, für die Gemeinschaften, in denen wir leben: Um ein Leben in Dankbarkeit und Treue (...) Für die Sterbenden und für unsere Toten: Um Teilnahme am Leben des auferstandenen Herrn (...)

Fürbitten in persönlichen Gebetszeiten sind eine ganz eigene Art der Solidarität, der gelebten Sympathie (Mitleiden, Compassion). Wie und wo nenne ich die Menschen, denen ich mein Gebet versprochen habe? Wie kommt die Welt so glaubhaft in mein Gebet, dass mein Glaube zur Tat wird? Leide ich ganz „diesseitig“ an und in dieser Welt mit, oder bleibt mein Glaube innerlich, jenseitig und abgehoben? Kommt mein Glaube also zu den anderen, oder bleibt er bei mir ganz allein?

Ich selbst führe ein kleines Notizbuch, in dem die Namen derer aufgeschrieben sind, an die ich betend besonders denken möchte. Manchmal verbinde ich das Fürbittgebet mittels dieses Büchleins mit meinen persönlichen Gebetszeiten. Oder ich spreche vor Gott einfach die jeweiligen Namen aus, verbunden mit einer Bitte oder einem Segenswunsch. Für und mit einem Menschen, mit dem ich mich durch viele Glaubenserfahrungen besonders verbunden weiß, spreche ich jeden Tag den 63. Psalm – im Plural:

„Gott, du unser Gott, dich suchen wir, unsere Seele dürstet nach dir.
Nach dir schmachtet unser Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halten wir Ausschau nach dir im Heiligtum, 
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.
Denn deine Huld ist besser als das Leben; darum preisen dich unsere Lippen.
Wir wollen dich rühmen unser Leben lang, in deinem Namen die Hände erheben.
Wie an Fett und Mark wird satt unsere Seele, 
mit jubelnden Lippen soll unser Mund dich preisen.
Wir denken an dich auf nächtlichem Lager 
und sinnen über dich nach, wenn wir wachen.
Ja, du wurdest unsere Hilfe; jubeln können wir im Schatten deiner Flügel.
Unsere Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält uns fest“ (Psalm 63,1-9).

Fürbitten als Zeichen der Verbundenheit untereinander und der Solidarität mit den Anliegen und Sorgen der Welt – im Angesicht Gottes: Geht das auch für die Toten? Was bedeutet es, für Verstorbene zu beten? Es bedeutet sicher nicht, irgendwelche „armen Seelen“ zu retten. Weil durch Jesus Christus jede und jeder von uns erlöst ist, gibt es überhaupt keine „armen Seelen“. Wer wollte so über einen verstorbenen Mitmenschen reden dürfen? Vor dem ewigen Untergang sind wir längst bewahrt, wenn wir auch auf Gottes Liebe und Versöhnung immer angewiesen bleiben. Der Himmel ist offen – er ist uns bereits mit der Taufe geschenkt. Was wäre das auch für ein Gott, der irgendwelche Gebete braucht, um Menschen in den Himmel zu holen? Was wäre dann mit den Verstorbenen, für die niemand betet? 

Solch ein „Gott“ wäre eine abhängige, schwächliche Maschine, ein grausamer Despot, aber nicht der Gott Jesu Christi. Denn Er ist ein barmherziger Gott, der uns dazu erschaffen und erlöst hat, auf ewig bei Ihm zu sein. Das Gebet für die Verstorbenen ist ein Zeichen der Solidarität und Gemeinschaft über den Tod hinaus, es ist mehr ein Gedenken als eine Fürbitte. Wir haben einen Namen vor Gott, und dieser Name bleibt. Deshalb ist es ein schönes Zeichen, den Namen eines Verstorbenen zu nennen, im Gottesdienst und beim persönlichen Beten. Das zeigt an: Du bist nicht vergessen, auch jetzt nicht! Das Gebet für die Verstorbenen ist Hoffnung, Solidarität über den Tod hinaus.

Bis morgen!
Stefan Jürgens